DER
LEHRPLAN AN DER DSS
1. Bildungs -und Lehraufgaben Latein
Die Beschäftigung mit Latein öffnet den Zugang zur europäischen
Sprachenlandschaft.
Latein führt über den Spracherwerb zum Übersetzen und
Interpretieren von Originaltexten.
Durch modellhafte Sprachbetrachtung und Reflexion wird das Erlernen
von Fremdsprachen unterstützt und das Verständnis für
die Muttersprache vertieft.
Latein verbessert die aktive und passive Sprachkompetenz.
Latein eröffnet durch intensive Auseinandersetzung mit Schlüsseltexten
Europas vielfältige Zugänge zur europäischen Geisteswelt.
Latein schlägt Brücken von der antik-heidnischen Kultur über
das christlich geprägte Mittelalter, über Humanismus und Aufklärung
bis in die Gegenwart.
Latein bietet einen Einblick in die Grundlagen und die Entwicklung der
europäischen Literatur- und Kunstgeschichte.
Latein vermittelt beispielhaft die Rezeption und Wirkungsgeschichte
von Ideen, Motiven und Stoffen europäischen Bewusstseins.
Latein fördert somit das historische Denken und die „kulturelle
Erinnerung“.
2. Bildungsschwerpunkte
Sprache und Kommunikation
Erfassen von komplexen Sprachstrukturen und Textsequenzen; kritische
Auseinandersetzung mit Textinhalten, Steigerung der persönlichen
Ausdrucksfähigkeit in der Präsentation,
Berücksichtigung der muttersprachlichen Kompetenzen der Schüler
in einer „Begegnungsschule“ (z.B. Schwedisch, Deutsch, Spanisch,
Französisch, Englisch usw.) für die Sprachkomparatistik.
Mensch und Gesellschaft
Befähigung zur kritischen Auseinandersetzung mit Werten und Normen
der Gesellschaft in ihrer Zeitgebundenheit, Kennenlernen von Werten
(z.B. Pflicht, Disziplin, Verantwortung, Beziehung zu den Mitmenschen)
und Verantwortungsbereichen für die eigene Person, die Gesellschaft
und Umwelt
Natur und Technik
Fördern des analytischen und systemhaften Denkens, Schulung der
Präzision, Sensibilisierung für ethische Problemstellungen
im Zusammenhang mit Mensch, Natur und Umwelt.
Kreativität und Gestaltung
Erweiterung der sprachlichen Kreativität des Einzelnen; Anregung
zum kreativ-produktiven Umgang mit verschiedenen künstlerischen
Ausdrucksformen (Rundfunkarbeit, CD-Produktion, fiktive Rede, Hypertexte,
Übersetzungsvortrag und Erklärung, Literaturabend, Beiträge
für die Schulhomepage, Maecenas -Wettbewerb, künstlerische
Rezeption usw.).
Gesundheit und Formen der Lebensbewältigung
Kontrastive Betrachtung von Körperlichkeit, Gesundheitsbewusstsein
und Lebensstil,
die Lektüre von philosophischen und religiösen Inhalten regt
für die eigene Lebensbewältigung und Sinnfindung an.
Fachsprachen und Fachtexte
Lateinische Texte aus der Wissenschaftsgeschichte aus den Bereichen
Physik, Geschichte, Medizin, Recht usw. markieren Meilensteine (z.B.
der Eid des Hippokrates, die Theorie des Kopernikus, Francis Bacon zur
Aufklärung, Erasmus von Rotterdam über den Krieg, Las Casas
über den Imperialismus). In dieser Auseinandersetzung wird Latein
als historische Fachsprache kennen gelernt
Mythos und Rezeption
Die wichtigsten Mythen der Antike sollen in ihren Interpretationen
und Rezeptionen erfahrbar gemacht werden. Es werden solche ausgewählt,
die in der Psychologie bzw. psychotherapeutischen Lehre und in der Kunstgeschichte
eine besondere Rolle spielen (Ödipus, Prometheus, Sisyphus usw.).
Sprachmuseum
Befähigung mit Hilfe der lateinischen Wortlehre Fremdwörter
zu verstehen und zu analysieren, Einblick in die Aufbauprinzipien von
griechischen und lateinischen Wörtern.
Heiteres und Zwischenmenschliches
Schüler sollen am Beispiel gewisser Texte (z.B. Epigramm, Graffiti
usw.) erleben, wie gesellschaftliche und politische Missstände,
menschliche Schwächen in humorvoller Weise thematisiert und kommentiert
wurden.
3.Didaktische Grundsätze
Der Latein-Unterricht ist maßgeblich von der Situation als „Randstundenfach“
und „Wahlfach“ beeinflusst. Diese Rahmenbedingungen müssen
in der Unterrichtsgestaltung berücksichtigt werden.
Die Lehrtätigkeit ist geprägt von Fördern und Fordern
und vor allem humanistischer Einstellung.
Die intellektuell- inhaltliche Belastung ist der Tageszeit angemessen
zu verteilen.
Zur Steigerung der Motivation bzw. Sicherung der Schüleraktivität
sind unterschiedlichste Lehr- und Lernformen anzuwenden.
Besonderes Augenmerk liegt auf der Visualisierung von Text und Übersetzungsvorgang
(Satzgrafik, übersetzungstechnische Hinweise auf OH-Folie ) und
der Hilfestellung bei Problemen (Lernsoftware, E- mail -Hilfe usw.).
Die Eigenständigkeit der Schülerinnen und Schüler soll
vor allem im Mittelpunkt der Methodik stehen (Vorteil der Kleingruppe).Stichwort:
Entdeckendes Lernen.
Tempo, Auswahl der Texte und Schwierigkeitsgrad der Aufgabenstellungen
orientieren sich an der jeweiligen Klasse und ihren Möglichkeiten.
Einen wesentlichen Schwerpunkt soll die kontrastive und komparatistische
Sprachbetrachtung bilden (Schwedisch-Deutsch-Latein), die Schüler
sollen auch in ihren persönlichen Sprachkompetenzen aktiv einbezogen
werden (z.B. Kenntnisse in Russisch, Polnisch usw.).
Die Schüler sollen bei Präsentationen von Inhalten auf entsprechende
rhetorische Ausgestaltung und die Anwendung adäquater Techniken
hingewiesen werden.
Vermittlung von Rhetorik ist ein wesentlicher Auftrag des Unterrichts.
Studienbesuche, Theaterabende, Reisen sind eine wesentliche Bereicherung
des Lateinunterrichts (z.B. Millesgarden, Nationalmuseum Stockholm,
Königliche Bibliothek , Antikensammlung usw.).
Projektarbeiten dienen der Wissenschaftspropädeutik und bereiten
auf die Studierfähigkeit vor. Der sinnvolle Umgang mit dem Internet
ist selbstverständlich Teil des Lateinunterrichts (u.a. in Form
einer Sequenz über Nutzungsmöglichkeiten in der Philologie).
Der Unterricht folgt den aktuellen didaktischen Anregungen der Fachschaft,
die Lateinbibliothek wird durch entsprechende Werke fortlaufend ergänzt
und auf neuem Stand gehalten.
Die Lektüre von deutschen Übersetzungen, die Lektüre
von Ganztexten ,der Einsatz von Filmen mit Antikebezug (z.B. Lehrfilme
über die Römer in Germanien) und das Lernspiel bereichern
und ergänzen den Unterricht.
Die Fachhomepage Latein dient der Präsentation nach außen,
wird permanent aktualisiert und ist auch ein Forum für Schüler.
4. Der „CURSUS BREVIS“
Der Lateinunterricht folgt den Anweisungen des Kultusministeriums des
Landes Nordrhein-Westfalen (Rahmenlehrplan) und ist auf die Rahmenbedingungen
der Deutschen Schule Stockholm abgestimmt.
Der Unterricht wird in den Klassen 9 -11 erteilt, und zwar in allen
drei Klassen vierstündig.
Die 12 Wochenstunden berechtigen bei mindestens ausreichendem Ergebnis
zum Kleinen Latinum. Zugleich berechtigt dieser Abschluss zu einer Lateinzensur
im schwedischen Abgangszeugnis (Beschluss von Skolöverstyrelsen
vom 26.4.88).
Im Falle von längerem Lateinunterricht (in Deutschland z.B. Lateinunterricht
ab 7.Stufe) und guten Leistungen eines Schülers kann auch das Große
Latinum (nach einer Genehmigung vom Kultusministerium) in einer vorgezogenen
Abiturprüfung in Klasse 12 abgelegt werden.
5. Der Unterricht in den einzelnen Stufen
In den Klassenstufen 9 unsd 10 wird der Unterricht auf der Basis des
Lehrwerks „Cursus Brevis“ (C.C.Buchners Verlag, Bamberg)
erteilt.
Die Arbeit mit dem Lehrbuch Cursus Brevis
Das Lernziel liegt in Stufe 9 bei Lektion 7 bzw. 8; in dieser Stufe
hat Langsamkeit und Präzision absoluten Vorrang – ebenso
das Prinzip der Wiederholung und Festigung.
Die Lernsoftware „Memodux“ wird zur Wortschatzsicherung
bis Stufe 10 eingesetzt.
Die Lehrinhalte sind im Buch festgelegt und als solche didaktisiert.
Das Lernziel liegt in Stufe 10 bei Lektion 15; vor allem am Anfang
von Stufe 10 ist eine ausgiebige Wiederholungsphase zu empfehlen.
Das Lernziel liegt in Stufe 11 zuerst beim behutsamen Übergang
zur Originallektüre, dann Originalliteratur übersetzen und
verstehen zu können.
Ein wesentlicher Teil der Vorbereitung dient der Einschulung in den
Gebrauch des Wörterbuchs, dafür wird am Anfang viel Zeit investiert
(Lernzirkel!).
Die fehlenden Grammatikinhalte werden begleitend abgeschlossen bzw.
in den Lektüreunterricht integriert.
Der Lektüreunterricht setzt sich aus thematisch orientierten Modulen
zusammen.
Module sind Unterrichtssequenzen unterschiedlicher Länge, die auf
der Lektüre von Originaltexten unterschiedlicher Gattung und unterschiedlicher
Autoren basieren.
Bei der Auswahl der Texte wird eine breite Streuung von der Antike bis
zur Neuzeit angestrebt.
Im Interesse der Geschlossenheit des Moduls werden Texte auch kursorisch
oder in Übersetzung bearbeitet .
Für jedes Modul wird ein dem Bedarf entsprechendes Vokabular erarbeitet
und für die Lektüre werden die grammatikalischen Phänomene
gefestigt.
Module können aus der Reihe ANTIKE und GEGENWART vom C.C. Buchner-Verlag
ausgewählt werden bzw. aus den verschiedenen Texten der Lateinbibliothek
(siehe aufliegendes Textverzeichnis Deutsche Schule Stockholm).
(Beispiel)
Module 2003/2004 11.Stufe
Modul 1: STICHWÖRTER EUROPÄISCHER KULTUR
Modul 2: Das Thema ZEIT in der lateinischen Literatur
Modul 3: Texte der VULGATA und ihre Rezeption
Modul 4: Das Thema LIEBE
Modul 5: Eine LIEBESNOVELLE aus der RENAISSANCE (Euryalus und Lucretia)
Modul 6: Die METAMORPHOSEN von Ovid (Auswahl)
6. Klassenarbeiten und Klausuren
Während der Jahrgangsstufen 9 und 10 werden 3 Klassenarbeiten
pro Halbjahr, in der Jahrgangsstufe 11 2 Klausuren geschrieben. Die
Verwendung des lateinischen Wörterbuchs Pons wird in der Jahrgangsstufe
11 gestattet. Ein deutsch/schwedisches Wörterbuch und eine Deutsch-Grammatik
sind ebenfalls zulässig.
Die Basisgrammatik vom Buchner-Verlag (Übersicht) in Tafelform
darf ab der 11. Stufe verwendet werden.
7. Notengebung und Didaktik der Prüfungsaufgaben
Brauchbare Hinweise finden sich im Buch Konkrete Fachdidaktik Latein
von G.Fink und F.Maier (Oldenbourg-Verlag/ Nr.220.030 Lateinbibliothek
der DSS) auf den Seiten 85 ff. bzw. 166 ff.
An dieser Stelle sollen keine wie immer verpflichtenden Normen verordnet
werden.
Notengebung richtet sich immer nach den gegebenen Umständen des
Unterrichts und der Klassenzusammensetzung.
FORTITER IN RE, SUAVITER IN MODO!
Manfred Seidl
Fachschaft Latein
verfasst im September 2003

|